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Sommersonnenwende - wenn das Licht stillsteht

Butterblumen auf einer Wiese vor einem orange-gelben Sonnenuntergang
Sommersonnenwende

Es gibt einen Moment im Jahr, da steht die Sonne still.

Drei Nächte lang.

An ihrem höchsten Punkt, bevor sie sich wendet.


Stell dir vor


du gehst durch einen dichten Wald.

Es ist die kürzeste Nacht des Jahres. Der Himmel ist noch hell, obwohl es längst spät ist. Du trittst aus dem Schutz der Bäume, siehst andere Menschen und folgst ihnen einen Hügel hinauf. Oben brennt schon ein Feuer, hoch wie ein Mensch, knisternd unter dem letzten Licht.

Frauen tragen Kränze aus Beifuß und Johanniskraut. Männer schichten weitere Scheite. Eine alte Frau singt etwas, das du kennst, ohne es je gelernt zu haben.


Als dann die Sonne endlich sinkt, beginnt der Tanz. Paare springen über das Feuer. Kinder lachen. Jemand wirft Kräuter in die Flammen, der Rauch riecht süß und herb zugleich.

Du legst die Hand auf die Erde.

Sie ist warm.


So feierten die Menschen die Sommersonnenwende — über Jahrtausende, von Irland bis tief nach Russland. Die Kelten nannten das Fest Litha. Die Germanen feierten Mittsommer. Die Slawen Kupala. Verschiedene Namen, ein Wissen.


Sommersonnenwende - Ein Schwellenfest


Die Sommersonnenwende ist nicht einfach der Höhepunkt des Sommers.

Sie ist eine Schwelle.

Das Licht erreicht seinen Gipfel — und weiß im selben Augenblick, dass es sich ab nun zurückziehen wird. Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer.


Ganz langsam und leise.


Die alten Völker spürten das. Sie wussten, dass jedes Hoch auch eine Wende ist. Dass im hellsten Moment schon der erste Schatten liegt.

Deshalb wurde die Sonnwende gefeiert - die Lebensfreude, die Wärme, das Licht, bevor die Sonne wieder den Rückzug antritt.


Die Kräuter der Sonnwendnacht


In der Nacht der Sommersonnenwende, so glaubten die Alten, tragen die Pflanzen ihre stärkste Kraft.

Wer sie an diesem Abend sammelt, erhält Pflanzen, die heilen, schützen und verbinden. Neun traditionelle Sonnwendkräuter:


Johanniskraut — das Lichtkraut. Es trägt die Sonne in seinen Blüten und hilft, wenn das innere Licht schwindet.

Beifuß — die Mutter aller Kräuter. Sie reinigt Räume und Gedanken, sie öffnet Träume.

Schafgarbe — die Heilerin. Sie schließt Wunden, äußere und innere.

Frauenmantel — das Kraut der Heilung des Weiblichen.

Kamille — die Sanfte, die beruhigt und tröstet.

Holunderblüten — der Baum der weißen Frau, Schutz und Segen.

Eisenkraut — das alte Druidenkraut, für Klarheit und Kraft.

Königskerze — die Lichtbringerin, gegen die Dunkelheit.

Ringelblume — die Sonne in Pflanzenform.


Wer sie ernten möchte, geht in der Dämmerung des längsten Tages hinaus und pflückt mit Achtsamkeit und Dank.


Die Bräuche der Sonnwende


Das Feuer auf den Hügeln war kein Zeitvertreib.

Die Menschen entzündeten es, um die Sonne in ihrer Kraft zu ehren — und um sie zu bitten, ihren Bogen weiter zu ziehen. Die Sonne, die Leben schenkte, fruchtbare Ernte.

Wer über das Feuer sprang, ließ Altes hinter sich.

Krankheit. Sorge. Trauer.

Was nicht mehr getragen werden wollte, blieb in den Flammen zurück.


Andere rollten brennende Räder die Hügel hinab.

Sonnenräder.

Lebende Bilder der wandernden Sonne.


Wieder andere zogen mit Fackeln über die Felder, damit die Ernte gesegnet werde. Sie sprachen Worte, die heute niemand mehr kennt, doch der Wunsch nach einer guten Ernte war in allen Sprachen immer derselbe.


Und dann — wenn das Feuer niedriger wurde, wenn die Nacht endlich kam — saßen sie zusammen.


Tranken.

Erzählten.

Schliefen unter den Sternen.


Am Morgen wuschen sie ihr Gesicht im Tau.

Denn Tau, gesammelt am Sonnwendmorgen, soll Schönheit bringen, die nie vergeht.


Was steht in voller Fülle?


Auch in dir dreht sich etwas zur Sonnwende.

Was steht jetzt in deinem Leben in voller Blüte?

Was hat Kraft?

Was strahlt?

Was darf groß sein?


Und was beginnt – ganz leise – zu sinken?

Nicht aus Schwäche. Aus Rhythmus.

Wie die Sonne, die auch im Rückzug nie aufhört zu leuchten.


Zwischen Außen und Innen.

Zwischen Ausdehnung und Rückzug.

Zwischen Fülle und Wandlung.


Ein stiller Moment.

Zwischen Himmel und Erde.

Zwischen Dankbarkeit und Loslassen.


Die Sonnwende feiern


Du kannst sie allein begehen.

Setz dich hinaus, wenn der Tag sich neigt.

Lass deine Füße die Erde spüren.

Atme das Licht in dein Herz.

Was hast du empfangen? Was darfst du gehen lassen? Was möchte noch reifen?


Oder du feierst in Gemeinschaft.


Es gibt etwas, das nur entsteht, wenn Menschen gemeinsam an einem Feuer sitzen.

In einer Sonnwendnacht.

An einem Ort, der schon lange weiß, was er ist.


Mid Summer Awakening


Drei Tage im Waldviertel. 19. bis 21. Juni.

Marie Anne und ich halten gemeinsam diese Reise.

Im Schreiners, einem stillen Hotel mitten im Waldviertel.


Wir gehen alte Druidenpfade.

Vorbei an magischen Steinen.

Wir bewegen den Körper.


Wir gehen in der Sonne und im Schatten.

Wir sitzen am Feuer.

Wir spüren die Lebensfreude.


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